Leon Engler, Botanik des Wahnsinns
Schon wegen des genialen Covers!! Basiert auf der historischen Vorstellung, geistige Krankheiten in ein ähnlich klares Ordnungssystem bringen zu können wie im 17. Jahrhundert die Pflanzenarten. (Carl von Linné, nicht nur Botaniker, sondern auch Mediziner, verfasste tatsächlich nicht nur seine weltberühmte Schrift Systema naturae, sondern auch eine Genera Morborum.) Unglaublich reich an Wissen, zeichnet die Erzählung den Weg eines jungen Manns nach, der versucht, der von psychischen Erkrankungen schwer vorbelasteten Familiengeschichte zu entgehen, doch schließlich, wenn auch „auf der anderen Seite“, weil als junger Psychologe, genau dort landet, wo er nie hin wollte, nämlich auf der Psychiatrie. Wenn auch immer wieder sehr feine sprachliche Wendungen und auch vereinzelt wunderbarer Sprachwitz, so doch insgesamt für mich nicht so „leichtfüßig“ wie am Umschlagtext angekündigt: Der Ton bleibt belastet, die Erzählung gegenüber den faszinierenden wissenschaftlichen Erkenntnissen im Hintergrund. Als „Roman“ geht er für mich nur teilweise durch. Trotzdem – als Sachtext – absolut lesenswert!
Clemens Setz, Das Buch zum Film
„Ich rieche immer noch deine Spaziergänge im Laub, Marie. Wär ich der März gewesen, ich hätte dich erkältet.“ „Das Buch zum Film“ gibt Einblicke ins Setz’sche Gedankenuniversum durch ausgewählte Tagebuchnotizen aus den Jahren 2000 bis 2010. Wirre, schräge, wunderbare Beobachtungen seiner selbst und der ihn umgebenden Wirklichkeit seiner Jugendjahre. (192 Seiten Hardcover, 2025 bei Jung und Jung erschienen. € 24, ISBN 978-3-99027-428-6)
Vea Kaiser, Fabula rasa
Rasanter Parforceritt durch die Welt eines Wiener Grand Hotels. Das Thema: soziale Ungleichheit, Mutterschaft, Frausein. Grell, atemlos, witzig, doch mit tiefergehendem Kern. Sehr wienerisch! (576 Seiten, erschienen im Oktober 2025 bei Kiepenheuer & Witsch, Hardcover, € 25,70, ISBN 978-3-462-05234-3)
Caroline Wahl, Die Assistentin
Das dritte Buch der jungen Berlinerin. Wieder geht es um eine junge Frau, wieder um eine krankmachende Abhängigkeitsbeziehung, diesmal zu einem schwer narzisstischen Chef in einem Verlagshaus. Wenn auch wieder ein ähnliches Thema: Caroline Wahl kann schreiben. Beim ersten Satz ist man in der Geschichte drin, es fühlt sich alles sofort hautnah an, man kann sich nicht mehr entziehen, will unbedingt weiterlesen, am besten in einem Zug. Ihre Sprache ist so direkt, so nah dran, so jung. (2025 im Hardcover bei Rowohlt, 268 Seiten, € 24,70, ISBN 978-3-498-00770-6)
