50 JAHRE BÜCHERSTUBE BAUMANN
Am 10. November 1975 haben Beate und Joachim die Pforten der Bücherstube Baumann erstmals geöffnet. Am 10. November 2025 gibt es uns erstaunlicherweise immer noch. Das wollen wir gemeinsam feiern! Am kommenden Montag, 10. November, freuen wir uns über alle, die vorbeikommen, um mit uns darauf anzustoßen. Am Samstag, 15. November, heißt es: Open House mit Open End! Kommt, bleibt, plaudert und feiert!
Nelio Biedermann, Anton will bleiben
Nach der Diagnose, Krebs im Endstadium zu haben, überkommt den pensionierten, verwitweten Anton der Wunsch, vor seinem Tod noch berühmt zu werden. Dilettantische Versuche, sich als Schriftsteller, Photograph, Künstler und Philosoph zu etablieren, mögen in Slapstick-Manier scheitern, doch sein letztes Jahr bereichert Anton in vielerlei Hinsicht. Nelio Biedermanns Erstling liest sich weder als Hymne an das Leben noch an den Tod oder die Vergänglichkeit, sondern als eine in sich geschlossene Episode, geprägt von emotionaler Intelligenz, Humor und Abwechslung. (2026 bei Rowohlt im Taschenbuchformat erschienen, 224 Seiten, € 14,40, ISBN 978-3-499-01722-3)
Birgit Birnbacher, Sie wollen uns erzählen
Was für eine Hymne ans Anderssein! Birnbachers Roman zeigt ein Stück des Wegs einer Mutter und ihres Sohnes, beide Querlieger und Querdenker, sie, der Zeit geschuldet, ohne Diagnose, er mit ADHS, Volksschüler, neun – beide zwar ständig im Kampf mit sich und den anderen, doch dabei auch so sichtlich „richtiger fühlend“ als diese. Wie grotesk gerät vor diesem Hintergrund das Gespräch mit der Bildungsbeauftragten, die Ozzis „Beschulbarkeit“ feststellen muss, wie verständlich das Verhalten der Mutter der Mutter – gleichfalls mit dem familiären Anderssein geschlagen –, die nach einer Krebsdiagnose ihr Körper-„Haus“ nicht einstürzen lassen will, aus dem Krankenhaus ausbüxt und damit eine wilde Suchaktion in Gang setzt. Mit großer Empathie, viel Humor und wunderbarer sprachlicher Leichtigkeit erzählt. (Im März 2026 bei Zsolnay erschienen, Hardcover, 224 Seiten, ISBN 978-3-552-07521-4, € 24,–)
Gisèle Pelicot, Eine Hymne an das Leben. Die Scham muss die Seite wechseln
Aus der Erzählung ihrer Herkunft, ihrer Jugend, ihres Lebens versucht Gisèle Pelicot sich selbst wie uns als Lesenden das Unbegreifliche, das ihr widerfahren ist, begreiflich zu machen – absolut gelungen! (Im Februar 2026 im Hardcover bei Piper erschienen, ISBN 978-3-492-07435-3, 256 Seiten, € 25,–)
Laura Freudenthaler, Iris
Eine Schriftstellerin, die von einem Gastvortrag zum nächsten reist, um eines neuen Projektes willen Recherchen zu Hexenprozessen betreibt und einen Hang zu BDSM hat, steht kurz vor dem Nervenzusammenbruch, was allerdings nur der Leserin bzw. dem Leser auffällt, weder den Nebenfiguren noch der Protagonistin selbst. Laura Freudenthaler schreibt nicht, um zu unterhalten, sondern als Künstlerin, die ihrem Publikum einiges abverlangt. (2026 bei Jung und Jung erschienen, 176 Seiten, gebunden, € 24,–, ISBN 978-3-99027-441-5)
