Elena Fischer, Wirf einen Schatten

Elena Fischers Erstling „Paradise Garden“ ist ein wunderschöner Roman – ihr zweites Buch ist völlig anders und sogar noch eine Spur besser. Schauplatz ist ein Hof in den 1960ern, auf dem Joseph allein lebt, seit seine Frau ihn mit seinem Sohn verlassen hat. Der plötzliche Besuch einer Fremden zwingt ihn dazu, seinen Selbstmordversuch zu verschieben und sich endlich genauer mit der Rolle, die er in seinem eigenem Leben spielt, zu befassen. Die Schönheit dieses Buches liegt vor allem in seinem schnörkellosen Stil, der trotzdem Ergriffenheit auslöst, im psychologischen Gespür der Autorin und der Liebe, mit der sie ihre Figuren zeichnet. (2026 bei Diogenes erschienen, gebunden, 304 Seiten, € 25,70, ISBN 978-3-25707390-4)

Manik Sarkar, Ochsenkopf

Ein Fleischhauer, der sich dem Verkauf qualitativ hochwertiger Ware verschrieben hat, bringt sich dabei um seine eigene Lebensqualität, auch weil er seine Umwelt ausschließlich durch die Augen eines Metzgers sieht. „Ochsenkopf“ unterhält und verstört gleichermaßen. (2026 bei Zsolnay erschienen, gebunden, 176 Seiten, € 23,70, ISBN 978-3-552-07594-8)

Hal Ebbott, Unter Freunden

Zunächst ist das gemeinsame Wochenende zweier seit Ewigkeiten miteinander befreundeten Familien idyllisch, dann wird es wider Erwarten zu einem düsteren Kammerspiel, welches sowohl die psychologische als auch die schriftstellerische Kompetenz des Autors unter Beweis stellt. (2026 bei Claassen erschienen, gebunden, 336 Seiten, € 24,70, ISBN 978-3-546-10107-3)

Marina Vujčić, Sicheres Haus

Das „Sichere Haus“ ist das Frauengefängnis in Požega, in dem Lada ihre Haftstrafe verbüßt, weil sie sich nach sieben Jahren zum ersten Mal gegen die physische und psychische Gewalt ihres Ehemanns gewehrt und ihn dabei in Notwehr erstochen hat. Von Marina Vujčić sorgfältig recherchiert – die Danksagung auf der letzten Seite gibt es nicht umsonst – und hervorragend geschrieben sowie von Mascha Dabić sublim übersetzt, ist dieses Buch eine Art J’accuse, das uns vor Augen führt, mit welcher Selbstverständlichkeit das eigentliche Opfer in den Augen der Gesellschaft zur bloßen Täterin wird. (2026 bei Residenz erschienen, gebunden, 280 Seiten, € 25, –, ISBN 978-3-7017-1820-7)