Hal Ebbott, Unter Freunden

Zunächst ist das gemeinsame Wochenende zweier seit Ewigkeiten miteinander befreundeten Familien idyllisch, dann wird es wider Erwarten zu einem düsteren Kammerspiel, welches sowohl die psychologische als auch die schriftstellerische Kompetenz des Autors unter Beweis stellt. (2026 bei Claassen erschienen, gebunden, 336 Seiten, € 24,70, ISBN 978-3-546-10107-3)

Marina Vujčić, Sicheres Haus

Das „Sichere Haus“ ist das Frauengefängnis in Požega, in dem Lada ihre Haftstrafe verbüßt, weil sie sich nach sieben Jahren zum ersten Mal gegen die physische und psychische Gewalt ihres Ehemanns gewehrt und ihn dabei in Notwehr erstochen hat. Von Marina Vujčić sorgfältig recherchiert – die Danksagung auf der letzten Seite gibt es nicht umsonst – und hervorragend geschrieben sowie von Mascha Dabić sublim übersetzt, ist dieses Buch eine Art J’accuse, das uns vor Augen führt, mit welcher Selbstverständlichkeit das eigentliche Opfer in den Augen der Gesellschaft zur bloßen Täterin wird. (2026 bei Residenz erschienen, gebunden, 280 Seiten, € 25, –, ISBN 978-3-7017-1820-7)

Timo Daum, Lob der Überwachung

Dieser Essay veranschaulicht, dass das Problem nicht die Überwachung ist, sondern der Überwachungskapitalismus. Überwachung könnte gezielt zum Wohle der Allgemeinheit eingesetzt werden – man denke an Einkommen, Vermögen, Besitz, aber auch an Umweltdaten, Lieferketten, (häusliche) Gewalt, usf. –, indem das Kapital öffentlich überwacht und die Beherrschten besser beschützt werden. Timo Daum geht es um Umdenken und Umverteilung, keineswegs um die Abschaffung der Privatsphäre. (2026 bei Edition Nautilus erschienen, kartoniert, 168 Seiten, € 18,50, ISBN 978-3-96054-480-7)

Nenad Veličković, Der Vater meiner Tochter

Bei Veličković weiß ich nie, ob ich lachen oder weinen soll. Das Ende des Bosnienkrieges ist für den Ich-Erzähler der Anfang einer Depression. Er gibt die ungeliebte Arbeit als Werbetexter auf, seine Ehe geht in die Brüche, das Buch, das er zu schreiben versucht, bleibt fragmentarisch. Die Höhepunkte dieses Romans sind Vater-Tochter-Dialoge und Konsumkritik, eine der wenigen Schwächen besteht in der großen Menge an Tippfehlern. (2026 bei Jung und Jung erschienen, gebunden, 224 Seiten, € 24,–, ISBN 978-3-99027-445-3)