Juli Zeh, Pony Show

Ungewöhnlich mitgenommen im doppelten Sinn des Wortes beende ich nach nur zwei Lesetagen Juli Zehs 512 Seiten geballte (Gerichts-)Verhandlung dessen, „was wir Liebe nennen“, das „in Wahrheit Begeisterung fürs Existieren (ist)“. Pony Show – was für ein harmloser Titel für das, was da geboten wird – schenkt gleichermaßen tiefe Einblicke ins Prozess- wie ins Verlagswesen, nicht zuletzt aber – „last, but not fucking least“ – in all das, was wir gewohnt sind, Beziehung zu nennen. Große Show und große Empfehlung. (Unheimlich sorgfältig lektoriert und korrigiert) brandneu im Oktober 2026 mit der ISBN 978-3-630-87865-2 bei Luchterhand im Hardcover um wohlfeile € 25,70.

Dana Vowinckel, Anton und Alma

Ja, das Buch hat streckenweise Längen, und ja, über die Sexszenen könnte man vielleicht auch einiges sagen, dennoch: unterm Strich und nach 535 Seiten, in denen man gefühlt fast in Echtzeit das Werden, Blühen, Zerbrechen, Wiederaufflammen, Zerschellen der Beziehung zwischen Anton und Alma mitverfolgt, fließen die Tränen reichlich. Die Langsamkeit des Erzählens lässt einen nah herankommen an die beiden jungen Leute im heutigen Berlin, er Jude, sie Ostdeutsche, und damit an eine Liebe, die nicht nur die Fragen nach dem Jüdischsein im heutigen Deutschland verhandelt, sondern letztlich auch die großen Fragen jeder Form der Beziehung wie des Menschseins selbst. Auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis. (Bei Suhrkamp erschienen als Hardcover mit 542 Seiten, ISBN 978-3-518-43297-6, € 26,80)

Norbert Gstrein, Im ersten Licht

Adrian, geboren 1901. Geschichte eines ganzes Lebens, fast eines ganzen Jahrhunderts, und Adrian, obwohl nie selbst im Krieg gewesen, sein ganzes Leben lang von den beiden Jahrhundertkriegen geprägt. Ein Roman, trotz aller scheinbaren zeitlichen Ferne, unglaublich unter die Haut gehend nah. (Bei Hanser im Frühjahr 2026 erschienen. Hardcover, 416 Seiten, ISBN 978-3-446-28297-1, € 27,80)

Sylvain Tesson, Die Säulen des Meeres. Eine Reise zu den letzten unberührten Orten der Welt

  „Vor dem Land postiert, fängt er die Dünung des Meeres ab, die Böen des Winds und das Glühen des Himmels.“ – Frei nach dem Motto: „Auf dem Gipfel der Warengesellschaft nistet kein einziger Vogel“ berichten „Die Säulen des Meeres“ einmal mehr von Sylvain Tessons unbedingter Suche nach Freiheit und Erhabenheit in einer Welt, in der alles andere bereits kartografiert, besiedelt, entweiht ist. In seiner typisch philosophisch-reflexiven Manier berichtet der Autor von dem wahnwitzigen Unternehmen, gemeinsam mit einem Freund über Jahre hinweg in Summe mehr als hundert Brandungspfeiler vor den Küsten der Erde zu besteigen. „Die Zeit ist Bedrohung, der Raum ist Rettung.“ Höchst abenteuerliche Entschleunigung mit ganz wunderbaren Denkanstößen. (Im Mai 2026 bei C. Bertelsmann erschienen, Hardcover, ISBN 978-3-570-10615-0, 208 Seiten, € 25,70)