Gisèle Pelicot, Eine Hymne an das Leben. Die Scham muss die Seite wechseln
Aus der Erzählung ihrer Herkunft, ihrer Jugend, ihres Lebens versucht Gisèle Pelicot sich selbst wie uns als Lesenden das Unbegreifliche, das ihr widerfahren ist, begreiflich zu machen – absolut gelungen! (Im Februar 2026 im Hardcover bei Piper erschienen, ISBN 978-3-492-07435-3, 256 Seiten, € 25,–)
Dita Zipfel, Es ist hell und draußen dreht sich die Welt
Eine starke Geschichte mit ganz engem Fokus auf weibliche und männliche Rollenbilder in einem Wer-hat-Angst-vor-Virginia-Woolf-Setting. Zwei Paare, ein Kind und ein Kinderwunsch, ein Ferienvilla in Südfrankreich. Der Kanarienvogel auf dem Cover entkommt seinem engen Käfig zwar und fliegt – der Text zeigt jedoch, wohin. (219 Seiten, Hardcover, ISBN 978-3-458-64612-9, Insel Verlag)
Monika Helfer: „Vati“
Nach dem Bestseller „Bagage“, in dem Monika Helfer über die Herkunft ihrer Mutter schrieb (und eigentlich viel mehr die Geschichte der Großmutter erzählte), geht es in „Vati“, dem neuen Roman der Vorarlberger Literatin, um ihre eigene unmittelbare Familiengeschichte. Helfer porträtiert den kriegsversehrten Vater, die Armut, seine Liebe zu den Büchern, die heimlichen Wünsche, vielleicht auch unheimliche; die große Liebe zu seiner Frau und sein Zusammenbruch, als sie stirbt; sie schreibt über sein Schweigen, dass er es nicht schafft, zu kommunizieren, obwohl er es wohl wollen würde, über das Eingesperrtsein im eigenen Verstummen. Bücherstube-Chefin Daniela Baumann empfiehlt das Buch: „Monika Helfer schafft es mit wirklich bewundernswerter Leichtigkeit, ganz vieles anzudeuten und in der Schwebe zu halten und gleichzeitig plastisch werden zu lassen, und damit auf schmalen 176 Seiten einen beachtlichen Facettenreichtum zu transportieren der diversen Familien-Psychen, nicht nur der väterlichen. Obwohl es so explizit autobiographisch ist, ist der Roman doch das Gegenteil einer Nabelschau; und obwohl es um ganz konkrete und immer wieder heftige persönliche Erlebnisse und Gefühle geht, wird es quasi transzendiert, und beim Lesen denkt man mit und nach und denkt: was für eine spannende Geschichte!“ Hanser-Verlag. 176 Seiten. € 20,90
Volker Reinhardt: „Die Macht der Seuche“
„Die Macht der Seuche“. Dieser Buchtitel lässt einen in dieser Zeit der Pandemie natürlich sofort an Corona denken. Doch der deutsche Historiker Volker Reinhardt, der an der Schweizer Universität Fribourg lehrt, erzählt eine ganz andere Geschichte (die freilich zu Vergleichen mit der Gegenwart geradezu einlädt): Er beschreibt die große Pest, die Europa in den Jahren um 1348 heimsuchte. Reinhardt rekonstruiert den Verlauf der Epidemie von den Anfängen in Asien bis zu ihrem vorläufigen Erlöschen in Europa, beleuchtet die unterschiedlichen Verhältnisse in ausgewählten Städten und fragt, wie die Überlebenden politisch und wirtschaftlich, religiös und künstlerisch das große Sterben bewältigten. C.H.-Beck-Verlag. 256 Seiten. € 24,70
