Uwe Wittstock, Karl Marx in Algier. Leben und letzte Reise eines Revolutionärs

Karl Marx verlässt 1882 zum ersten Mal in seinem Leben Europa, als kranker und gebrochener Mann. Er wird zehn Wochen in Algier verbringen und zwar nicht genesen, aber, wie seinen Briefen zu entnehmen ist, von denen einige bis jetzt unveröffentlicht gewesen sind, Bilanz ziehen über sein Leben, die Eindrücke der algerischen Kultur auf sich wirken lassen und einen Barbier besuchen, der ihm seinen Bart abnimmt. Die einzige Photographie, die den Revolutionär so zeigt, wie man ihn gar nicht kennt, mag gefälscht sein, aber wen es interessiert, wie der bartlose Karl Marx ausschaut, sollte unbedingt einen Blick in dieses Buch werfen. (2025 bei C. H. Beck erschienen, 249 Seiten, gebunden, € 26,80, ISBN 978-3-406-83072-3)

Herbert Hayduck; Karin Moser, Die besten Sager und ihre Geschichten. 70 Jahre Fernsehen

In Österreich kann man seit 70 Jahren fernsehen und genauso lang zuschauen, wie Zitate zum geflügelten Wort werden. Viele davon sind hier in schriftlicher Form wiedergegeben und mit kurzen Erklärungen versehen. Manche hat man selbst „live“ mitbekommen, andere kennt man als mündliche Überlieferungen und nur wenige gar nicht, was diese Anthologie zu einer befriedigenden und berieselnden Lektüre macht. Nur leider fehlt das Günther-Neukirchner-Zitat. (2025 bei Edition A erschienen, 234 Seiten, gebunden, € 25,–, ISBN 978-3-99001-820-0)

Tarek Leitner, Augenblicke der Republik

Entlang einer Reihe von Fotos, die Menschen und Ereignisse oft ganz zufällig in einem Geschichtsmoment einfrieren, entfaltet Tarek Leitner unheimlich kenntnisreich und sprachlich gewohnt geschliffen einzelne Aspekte der österreichischen Nachkriegsgeschichte, die sich mosaikhaft zu einem wunderbar bunten Mosaik zusammenfügen. (2025 als Hardcover im Brandstätter Verlag erschienen, 176 Seiten, € 20,99, ISBN 978-3-7106-0892-6)

Salman Rushdie, Knife. Gedanken nach einem Mordversuch

Unglaublich kenntnisreich, wunderbar lesbar, an vielen Stellen frei assoziativ, kommt Rushdie bei der Aufarbeitung des lebensverändernden Attentats auf ihn zwar häufig vom Einen zum Anderen, was sich aber als absolut inspirierend und Horizont erweiternd erweist. Genial das im zweiten Teil des Buches fingierte Gespräch mit dem arrestierten Attentäter, bei dem Rushdie dessen Denken und Argumentation nachzuvollziehen und zu verstehen versucht. Ein Sachbuch als große Literatur. (2025 bei Penguin im Taschenbuch erschienen, 256 Seiten, € 14,40, ISBN 978-3-328-11351-5)