Joachim Meyerhoff, Man kann auch in die Höhe fallen
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Mit gewohnt viel Selbstironie erzählt der fünfzigjährige Schauspieler von sich und seiner achtzigjährigen Mutter, von eigenen Schwächen und der Weisheit und Stärke des Alters und dem, was im Leben letztlich zählt. Mit vielen ganz wunderbaren Geschichten aus seiner Zeit am Wiener Burgtheater. (2024 bei Kiepenheuer & Witsch, Hardcover, 368 Seiten, € 26,80, ISBN 978-3-462-00699-5)
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Daniel Wisser, 0 1 2
Schräge Geschichte und witziges Gedankenexperiment, in Tagebuchform als Autobiographie verfasst, mit schönem Spannungsbogen und viel Witz. Ein männlicher Krebspatient um die vierzig, einst Computerspezialist und Erfinder eines „ternären“ Computers, kehrt nach dreißig Jahren des Eingefrorenseins in die inzwischen sich völlig veränderte Wirklichkeit zurück und muss sich die Frage stellen, welche Identität man als Wiedergeborener hat, welches Recht auf Fortsetzung seines (Familien)lebens, seiner Beziehungen, all dessen, was einst materielles und geistiges Eigentum war. (2025 als Taschenbuch bei btb mit 448 Seiten um € 15,50, ISBN 978-3-442-77578-1)
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Lauren Elkin, Fassaden
Ein sehr „anderer“ Text – radikal feministisch, intellektuell und hoch aufgeladen mit der Lacan’schen Theorie der Psychoanalyse geht es um Paare in verschiedenen Zeiten am selben Ort, einer Wohnung im Pariser Belleville. Ein Erzählstrang spielt im Jahr 2019, einer, der mittlere von drei Teilen, im Jahr 1972. Es geht um Liebe und Sexualität und nicht zuletzt um den Kinderwunsch von Paaren und das, was sich zwischen Bewusstem und Unbewussten dazu in Frauen und Männern abspielt. Dazu kommt eine Theorie des Raums sowie die Frage danach, was es bedeutet, in Frankreich jüdische Vergangenheit zu haben. (Übersetzung aus dem Englischen. Erschienen im März 2025 bei Nagel & Kimche, Hardcover, 480 Seiten, € 24,00, ISBN 978-3-312013845)
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Leon Engler, Botanik des Wahnsinns
Schon wegen des genialen Covers!! Basiert auf der historischen Vorstellung, geistige Krankheiten in ein ähnlich klares Ordnungssystem bringen zu können wie im 17. Jahrhundert die Pflanzenarten. (Carl von Linné, nicht nur Botaniker, sondern auch Mediziner, verfasste tatsächlich nicht nur seine weltberühmte Schrift Systema naturae, sondern auch eine Genera Morborum.) Unglaublich reich an Wissen, zeichnet die Erzählung den Weg eines jungen Manns nach, der versucht, der von psychischen Erkrankungen schwer vorbelasteten Familiengeschichte zu entgehen, doch schließlich, wenn auch „auf der anderen Seite“, weil als junger Psychologe, genau dort landet, wo er nie hin wollte, nämlich auf der Psychiatrie. Wenn auch immer wieder sehr feine sprachliche Wendungen und auch vereinzelt wunderbarer Sprachwitz, so doch insgesamt für mich nicht so „leichtfüßig“ wie am Umschlagtext angekündigt: Der Ton bleibt belastet, die Erzählung gegenüber den faszinierenden wissenschaftlichen Erkenntnissen im Hintergrund. Als „Roman“ geht er für mich nur teilweise durch. Trotzdem – als Sachtext – absolut lesenswert!
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