Timo Daum, Lob der Überwachung

Dieser Essay veranschaulicht, dass das Problem nicht die Überwachung ist, sondern der Überwachungskapitalismus. Überwachung könnte gezielt zum Wohle der Allgemeinheit eingesetzt werden – man denke an Einkommen, Vermögen, Besitz, aber auch an Umweltdaten, Lieferketten, (häusliche) Gewalt, usf. –, indem das Kapital öffentlich überwacht und die Beherrschten besser beschützt werden. Timo Daum geht es um Umdenken und Umverteilung, keineswegs um die Abschaffung der Privatsphäre. (2026 bei Edition Nautilus erschienen, kartoniert, 168 Seiten, € 18,50, ISBN 978-3-96054-480-7)

Nenad Veličković, Der Vater meiner Tochter

Bei Veličković weiß ich nie, ob ich lachen oder weinen soll. Das Ende des Bosnienkrieges ist für den Ich-Erzähler der Anfang einer Depression. Er gibt die ungeliebte Arbeit als Werbetexter auf, seine Ehe geht in die Brüche, das Buch, das er zu schreiben versucht, bleibt fragmentarisch. Die Höhepunkte dieses Romans sind Vater-Tochter-Dialoge und Konsumkritik, eine der wenigen Schwächen besteht in der großen Menge an Tippfehlern. (2026 bei Jung und Jung erschienen, gebunden, 224 Seiten, € 24,–, ISBN 978-3-99027-445-3)

Nelio Biedermann, Anton will bleiben

Nach der Diagnose, Krebs im Endstadium zu haben, überkommt den pensionierten, verwitweten Anton der Wunsch, vor seinem Tod noch berühmt zu werden. Dilettantische Versuche, sich als Schriftsteller, Photograph, Künstler und Philosoph zu etablieren, mögen in Slapstick-Manier scheitern, doch sein letztes Jahr bereichert Anton in vielerlei Hinsicht. Nelio Biedermanns Erstling liest sich weder als Hymne an das Leben noch an den Tod oder die Vergänglichkeit, sondern als eine in sich geschlossene Episode, geprägt von emotionaler Intelligenz, Humor und Abwechslung. (2026 bei Rowohlt im Taschenbuchformat erschienen, 224 Seiten, € 14,40, ISBN 978-3-499-01722-3)

Laura Freudenthaler, Iris

Eine Schriftstellerin, die von einem Gastvortrag zum nächsten reist, um eines neuen Projektes willen Recherchen zu Hexenprozessen betreibt und einen Hang zu BDSM hat, steht kurz vor dem Nervenzusammenbruch, was allerdings nur der Leserin bzw. dem Leser auffällt, weder den Nebenfiguren noch der Protagonistin selbst. Laura Freudenthaler schreibt nicht, um zu unterhalten, sondern als Künstlerin, die ihrem Publikum einiges abverlangt. (2026 bei Jung und Jung erschienen, 176 Seiten, gebunden, € 24,–, ISBN 978-3-99027-441-5)