Birgit Birnbacher, Sie wollen uns erzählen

Was für eine Hymne ans Anderssein! Birnbachers Roman zeigt ein Stück des Wegs einer Mutter und ihres Sohnes, beide Querlieger und Querdenker, sie, der Zeit geschuldet, ohne Diagnose, er mit ADHS, Volksschüler, neun – beide zwar ständig im Kampf mit sich und den anderen, doch dabei auch so sichtlich „richtiger fühlend“ als diese. Wie grotesk gerät vor diesem Hintergrund das Gespräch mit der Bildungsbeauftragten, die Ozzis „Beschulbarkeit“ feststellen muss, wie verständlich das Verhalten der Mutter der Mutter – gleichfalls mit dem familiären Anderssein geschlagen –, die nach einer Krebsdiagnose ihr Körper-„Haus“ nicht einstürzen lassen will, aus dem Krankenhaus ausbüxt und damit eine wilde Suchaktion in Gang setzt. Mit großer Empathie, viel Humor und wunderbarer sprachlicher Leichtigkeit erzählt. (Im März 2026 bei Zsolnay erschienen, Hardcover, 224 Seiten, ISBN 978-3-552-07521-4, € 24,–)

Lilli Tollkien, Mit beiden Händen den Himmel stützen

Gleichzeitig schockierend und faszinierend. Unter die Haut gehender Text über die Kindheit und Jugend eines Mädchens, das als Tochter einer drogenabhängigen Mutter und eines kriminellen, immer wieder im Gefängnis einsitzenden Vaters in dessen Männer-WG aufwächst und trotz der Ungeheuerlichkeiten, mit denen sie konfrontiert ist, schließlich in ein eigenes Leben findet. (Erschienen im Aufbau Verlag im März 2026, ISBN 978-3-351-04284-4, Hardcover, 255 Seiten, € 24,70.)

Dita Zipfel, Es ist hell und draußen dreht sich die Welt

Eine starke Geschichte mit ganz engem Fokus auf weibliche und männliche Rollenbilder in einem Wer-hat-Angst-vor-Virginia-Woolf-Setting. Zwei Paare, ein Kind und ein Kinderwunsch, ein Ferienvilla in Südfrankreich. Der Kanarienvogel auf dem Cover entkommt seinem engen Käfig zwar und fliegt – der Text zeigt jedoch, wohin. (219 Seiten, Hardcover, ISBN  978-3-458-64612-9, Insel Verlag)