Michael Riepl, Ferne Heimat Altmontal. Das Leben meiner Großmutter zwischen Schwarzem Meer und Kaukasus

Hedwig Krämer wird 1919 als Schwarzmeerdeutsche  in der Südukraine geboren und stirbt über achtzig Jahre später in ihrer Wahlheimat Bayern. Ihr Enkel findet nach ihrem Tod in ihren Tagebüchern Antworten auf Fragen, die er sich ihr nie zu stellen getraut hat, und fährt in die Ukraine, einerseits weil er sich humanitär bei einer Hilfsorganisation in Kiew engagiert, andererseits um sich auf die Spuren seiner Großmutter zu begeben. Das Bild, das Riepl von der untergegangenen Welt zeichnet, kontrastiert dabei weniger als gedacht mit jenem der gegenwärtigen Ukraine. Seine Recherchen zur Geschichte und Kultur in Osteuropa, inklusive der jeweiligen Sprachen, sind gründlich und im Mittelpunkt seiner Beobachtungen steht das Menschliche. (2026 bei C. H. Beck erschienen, gebunden, 304 Seiten, € 25,70, ISBN 978-3-406-84946-6)

Martha Baillie, Besondere Vorkommnisse

Martha Baillies 144 Kurzberichte einer Bibliothekarin aus Toronto sind einmal amüsant, ein andermal melancholisch und manchmal grenzen sie ans Absurde. Wer allerdings glaubt, dass die titelgebenden besonderen Vorkommnisse nicht miteinander zusammenhängen, irrt sich, denn zwischen den Ereignissen entwickelt sich eine zarte Liebesgeschichte. (2026 bei Wagenbach erschienen, gebunden, 208 Seiten, € 24,70, ISBN 978-3-8031-3393-9)

Mario Petuzzi, Winterschlaf

Am Rande eines Dorfes mitten im Nirgendwo hält eine Frau Jahr für Jahr Winterschlaf, um im Frühling und Sommer ihre Träume aufzuschreiben und an zahlende Esoteriker zu „verkaufen“. Ihr Vater agiert dabei als ihr Manager, ihre Zwillinge als ihre Pfleger, wenn sie sich nicht gerade im Wald herumtreiben. Im Laufe der Lektüre erreicht man irgendwann den Punkt, wo man selbst nicht mehr weiß, ob man wach ist oder träumt. (2026 bei Diogenes erschienen, gebunden, 240 Seiten, € 25,70, ISBN 978-3-257-07394-2)

Elena Fischer, Wirf einen Schatten

Elena Fischers Erstling „Paradise Garden“ ist ein wunderschöner Roman – ihr zweites Buch ist völlig anders und sogar noch eine Spur besser. Schauplatz ist ein Hof in den 1960ern, auf dem Joseph allein lebt, seit seine Frau ihn mit seinem Sohn verlassen hat. Der plötzliche Besuch einer Fremden zwingt ihn dazu, seinen Selbstmordversuch zu verschieben und sich endlich genauer mit der Rolle, die er in seinem eigenem Leben spielt, zu befassen. Die Schönheit dieses Buches liegt vor allem in seinem schnörkellosen Stil, der trotzdem Ergriffenheit auslöst, im psychologischen Gespür der Autorin und der Liebe, mit der sie ihre Figuren zeichnet. (2026 bei Diogenes erschienen, gebunden, 304 Seiten, € 25,70, ISBN 978-3-25707390-4)