Sylvain Tesson, Die Säulen des Meeres. Eine Reise zu den letzten unberührten Orten der Welt

  „Vor dem Land postiert, fängt er die Dünung des Meeres ab, die Böen des Winds und das Glühen des Himmels.“ – Frei nach dem Motto: „Auf dem Gipfel der Warengesellschaft nistet kein einziger Vogel“ berichten „Die Säulen des Meeres“ einmal mehr von Sylvain Tessons unbedingter Suche nach Freiheit und Erhabenheit in einer Welt, in der alles andere bereits kartografiert, besiedelt, entweiht ist. In seiner typisch philosophisch-reflexiven Manier berichtet der Autor von dem wahnwitzigen Unternehmen, gemeinsam mit einem Freund über Jahre hinweg in Summe mehr als hundert Brandungspfeiler vor den Küsten der Erde zu besteigen. „Die Zeit ist Bedrohung, der Raum ist Rettung.“ Höchst abenteuerliche Entschleunigung mit ganz wunderbaren Denkanstößen. (Im Mai 2026 bei C. Bertelsmann erschienen, Hardcover, ISBN 978-3-570-10615-0, 208 Seiten, € 25,70)

Timo Daum, Lob der Überwachung

Dieser Essay veranschaulicht, dass das Problem nicht die Überwachung ist, sondern der Überwachungskapitalismus. Überwachung könnte gezielt zum Wohle der Allgemeinheit eingesetzt werden – man denke an Einkommen, Vermögen, Besitz, aber auch an Umweltdaten, Lieferketten, (häusliche) Gewalt, usf. –, indem das Kapital öffentlich überwacht und die Beherrschten besser beschützt werden. Timo Daum geht es um Umdenken und Umverteilung, keineswegs um die Abschaffung der Privatsphäre. (2026 bei Edition Nautilus erschienen, kartoniert, 168 Seiten, € 18,50, ISBN 978-3-96054-480-7)

Cornelia Travnicek, Ich erzähle von meinen Beinen

Und noch einmal das Thema Neurodivergenz. Und noch einmal eine Mutter, die ihrem Kind um nichts nachsteht, mit dem einzigen Unterschied, dass die 11-jährige Tochter ihre ADHS-Diagnose und gleichzeitige Hochbegabung nach dem Besuch bei einer Therapeutin schriftlich hat. Der Kampf der Mutter gegen die alltägliche Überforderung, die sie schließlich ins Burnout führt. Nichtsdestotrotz hinreißend treffend erzählt, zum Lachen und Weinen zugleich. (Im Frühjahr 2026 bei Picus erschienen, 448 Seiten Hardcover, ISBN 978-3-7117-2166-2, € 26,–)

Nenad Veličković, Der Vater meiner Tochter

Bei Veličković weiß ich nie, ob ich lachen oder weinen soll. Das Ende des Bosnienkrieges ist für den Ich-Erzähler der Anfang einer Depression. Er gibt die ungeliebte Arbeit als Werbetexter auf, seine Ehe geht in die Brüche, das Buch, das er zu schreiben versucht, bleibt fragmentarisch. Die Höhepunkte dieses Romans sind Vater-Tochter-Dialoge und Konsumkritik, eine der wenigen Schwächen besteht in der großen Menge an Tippfehlern. (2026 bei Jung und Jung erschienen, gebunden, 224 Seiten, € 24,–, ISBN 978-3-99027-445-3)