Laura Freudenthaler, Iris
Eine Schriftstellerin, die von einem Gastvortrag zum nächsten reist, um eines neuen Projektes willen Recherchen zu Hexenprozessen betreibt und einen Hang zu BDSM hat, steht kurz vor dem Nervenzusammenbruch, was allerdings nur der Leserin bzw. dem Leser auffällt, weder den Nebenfiguren noch der Protagonistin selbst. Laura Freudenthaler schreibt nicht, um zu unterhalten, sondern als Künstlerin, die ihrem Publikum einiges abverlangt. (2026 bei Jung und Jung erschienen, 176 Seiten, gebunden, € 24,–, ISBN 978-3-99027-441-5)
Édouard Louis, Der Absturz
Édouard Louis’ Bücher mögen schwer verträglich sein, trotzdem sind sie lesenswert; sein jüngstes, mit dem er seinen autofiktionalen Zyklus abschließen will, ist da keine Ausnahme, vielleicht stellt es seine Vorgänger sogar in den Schatten. Diesmal hat die Prekarität die Gestalt seines älteren Bruders. (2025 bei Aufbau Verlag erschienen, 222 Seiten, gebunden, € 24,70, ISBN 978-3-351-03957-8)
Aldous Huxley, Zeit der Oligarchen
In den Industriegesellschaften haben schon immer die Ober- und Mittelschichten von den Erkenntnissen der wissenschaftlichen Forschung profitiert, was die immer größere Zentralisierung der Macht in immer weniger Händen zur Folge hat. Welche Rolle fortschrittliche Technologie dabei spielt, warum wir den Krieg nicht abschaffen, sondern weiter schüren, und ob davon auszugehen ist, dass Wissen je zum Wohle der Menschheit eingesetzt wird, analysiert Huxley in einem kurzen Essay, erstmals 1946 veröffentlicht. Dass sich achtzig Jahre später immer noch nichts wesentlich verändert hat, ist erschütternd, verstörend und erschöpfend, und gerade deswegen tut es gut, über die Hintergründe der Katastrophe und wenigstens theoretische Möglichkeiten der auf menschliche und vernünftige Ziele gerichteten Planung unterrichtet zu werden. (2025 bei Hanser erschienen, 96 Seiten, gebunden, € 14,40, ISBN 978-3-446-28723-5)
Lilli Tollkien, Mit beiden Händen den Himmel stützen
Gleichzeitig schockierend und faszinierend. Unter die Haut gehender Text über die Kindheit und Jugend eines Mädchens, das als Tochter einer drogenabhängigen Mutter und eines kriminellen, immer wieder im Gefängnis einsitzenden Vaters in dessen Männer-WG aufwächst und trotz der Ungeheuerlichkeiten, mit denen sie konfrontiert ist, schließlich in ein eigenes Leben findet. (Erschienen im Aufbau Verlag im März 2026, ISBN 978-3-351-04284-4, Hardcover, 255 Seiten, € 24,70.)
