M. L. Stedman, Ein weites Leben

Ich habe kein wirkliches Interesse daran, wie Schafzucht in Westaustralien vor siebzig Jahren funktioniert hat, trotzdem hat mich M. L. Stedmans zweiter Roman von der ersten Seite an mitgerissen. Ein Autounfall dezimiert die fünfköpfige Familie MacBride, hart arbeitende, umgängliche Leute, auf zweieinhalb Mitglieder; der Vater und der älteste Sohn sterben und der jüngere erholt sich nur langsam von den erlittenen körperlichen und neurologischen Schäden, während Mutter und Tochter die Kraft finden müssen, um den Betrieb am Leben zu erhalten, ohne dabei existentiellen wie psychischen Krisen zu erliegen, denn es gilt nicht nur Hitze, Kälte und den „Erdölrausch“ zu bewältigen, bei weitem nicht. Stedman lässt immer wieder die Natur sprechen, einmal melancholisch, ein andermal auf vorsichtige Weise hoffnungsvoll; mich haben beide Varianten sehr bewegt. Mag die Ausgangssituation noch so tragisch sein und zum Teil katastrophale Konsequenzen nach sich ziehen, es wäre ein Riesenfehler, die Lektüre abzubrechen, denn am Ende wird alles gut oder halt so gut wie’s geht. (2026 bei Blanvalet erschienen, 528 Seiten, gebunden, € 26,80, ISBN 978-3-7645-1005-3)

Uwe Wittstock, Karl Marx in Algier. Leben und letzte Reise eines Revolutionärs

Karl Marx verlässt 1882 zum ersten Mal in seinem Leben Europa, als kranker und gebrochener Mann. Er wird zehn Wochen in Algier verbringen und zwar nicht genesen, aber, wie seinen Briefen zu entnehmen ist, von denen einige bis jetzt unveröffentlicht gewesen sind, Bilanz ziehen über sein Leben, die Eindrücke der algerischen Kultur auf sich wirken lassen und einen Barbier besuchen, der ihm seinen Bart abnimmt. Die einzige Photographie, die den Revolutionär so zeigt, wie man ihn gar nicht kennt, mag gefälscht sein, aber wen es interessiert, wie der bartlose Karl Marx ausschaut, sollte unbedingt einen Blick in dieses Buch werfen. (2025 bei C. H. Beck erschienen, 249 Seiten, gebunden, € 26,80, ISBN 978-3-406-83072-3)

René Goscinny; Albert Uderzo, Gallisches Gewimmel

Zwei Asterix-Wimmelbücher im Doppelpack, beim Teutates! Auf jeder Doppelseite geht es darum, bestimmte Figuren in einem unübersichtlichen Haufen reizbarer Gallier, versehrter Römer, gebratener Wildschweine, … zu entdecken, was des Öfteren überraschend lang dauert, aber deswegen nicht weniger Spaß macht. (2025 bei Egmont erschienen, 64 Seiten, gebunden, € 20,60, ISBN 978-3-7704-1251-8)

Herbert Hayduck; Karin Moser, Die besten Sager und ihre Geschichten. 70 Jahre Fernsehen

In Österreich kann man seit 70 Jahren fernsehen und genauso lang beobachten, wie Zitate zum geflügelten Wort werden. Viele davon sind hier in schriftlicher Form wiedergegeben und mit kurzen Erklärungen versehen. Manche hat man selbst „live“ mitbekommen, andere kennt man als mündliche Überlieferungen und nur wenige gar nicht, was diese Anthologie zu einer befriedigenden wie berieselnden Lektüre macht. Nur leider fehlt das Günther-Neukirchner-Zitat. (2025 bei Edition A erschienen, 234 Seiten, gebunden, € 25,–, ISBN 978-3-99001-820-0)